Wie Sie am besten englische Vokabeln lernen: 3 Expertentipps

    Am besten englische Vokabeln lernen: mit Karten.
    Von Susanne Krause

    Haben Sie beim Vokabellernen schon einmal wilde Schwimmbewegungen mit den Armen gemacht? Oder sich gedanklich in eine Wüste aus Zitroneneis versetzt?

    Unsere Kollegen von Deutsch perfekt haben Philologen, Neurowissenschaftler und Fremdsprachendidaktiker zu den besten Lernmethoden befragt. Diese Tipps helfen Ihnen natürlich genauso gut beim Lernen anderer Sprachen. Wir haben die Erkenntnisse für Sie zusammengefasst und stellen Ihnen im Folgenden drei Methoden aus der Wissenschaft vor, wie Sie am besten englische Vokabeln lernen:
     

    Wissenschaftlich fundierte Vokabel-Lerntipps
     

    1. Vokabeln lernen in Bewegung: Gesten

    Eine klassische Karteikarte zeigt das englische Wort und die deutsche Bedeutung. Das ist ziemlich wenig Information für unser Gehirn, welches in der Lage ist unfassbare Mengen an Informationen miteinander zu vernetzen – und auch besonders gut jene Inhalte aufrufen kann, die viele Verknüpfungen haben. Ein Paradebeispiel, wie beim Vokabellernen viele Sinne vereint werden, sind Kleinkinder: Wenn ein Zweijähriger eine neue Frucht kennenlernt, hört er nicht nur deren Namen. Er kann das Obst auch sehen, anfassen, riechen und schmecken. Diese zusätzlichen Sinneseindrücke helfen dabei, die Vokabel im Gedächntis zu verankern. Mehr dazu erklärt die Forscherin Dr. Manuela Macedonia in folgendem Video:
     


    Natürlich können Sie nicht bei jeder Vokabel all Ihre Sinne nutzen. Mit ein paar einfachen Mitteln schaffen Sie jedoch sehr viel mehr Verknüpfungen als durch bloßes Lesen des Wortes: Sprechen und hören Sie die Vokabel zusätzlich oder sehen Sie sich (bei konkreten Nomen) beim Lernen ein Bild von dem zugehörigen Gegenstand an. Katharina von Kriegstein, Professorin für Kognitive und Klinische Neurowissenschaften am Max-Planck-Institut hat noch eine weitere Empfehlung: Lernen Sie mit Gesten. In einer Studie haben die Professorin und ihr Team herausgefunden, dass es hilft, Vokabeln eine passende Handbewegung zuzuordnen. „Wenn wir einen zu lernenden Begriff mit einer Geste nachstellen, schaffen wir zusätzlichen Input, der dem Gehirn das Lernen erleichtert“, erklärt sie.

    Die Methode funktioniert folgendermaßen: Ausgehend von der Vokabel, die Sie lernen wollen, entwickeln Sie eine Geste. Diese Handbewegung sollte die Bedeutung des Wortes widerspiegeln – rein willkürliche Bewegungen haben keinen Nutzen. Das Wort valley (Tal) könnte man beispielsweise mit einer Geste assoziieren, bei der die Hände einen nach oben offenen, spitzen Winkel beschreiben. Um im Gedächtnis eine dauerhafte Verbindung zwischen dem Wort und der Geste herzustellen, sollten Lerner die Geste bei jeder Wiederholung der Vokabel aussführen; also zum Beispiel immer gleichzeitig die Vokabel lesen, nachsprechen und die Geste ausführen.

    Übrigens: Weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass Gesten nicht nur bei konkreten Vokabeln wie to swim (schwimmen), pear (Birne) oder tiny (winzig) funktionieren, sondern auch bei abstrakten, zum Beispiel theory (Theorie). Hier braucht es nur ein wenig mehr Kreativität für die Geste.

     

    2. Vokabeln lernen nach Themen: Mindmaps

    Auch wenn Sie Wörter im Kontext lernen, stellen Sie zusätzliche Verknüpfungen her. Gerade für Fortgeschrittene bietet es sich deshalb an, englische Vokabeln nach Themenfeldern zu lernen und in sogenannten Mindmaps zu verknüpfen. Nehmen wir das Wort bureau (Schreibpult). Um es in Verbindung mit bereits gelernten Vokabeln zu setzen, zeichnen Sie eine Mindmap mit Begriffen, die für Möbelstücke stehen; zum Beispiel wardrobe (Kleiderschrank), rack (Regal, Ablage) und sunlounger (Liegestuhl). Die Mindmap arbeitet idealerweise mit mehreren Ebenen. Bureau könnte dementsprechend mit desk (Schreibtisch) und table (Tisch) eine Unterkategorie bilden.
    Mindmaps zeichnen Sie am besten einfach auf Papier auf. Es gibt jedoch auch Software oder Online-Tools, mit denen Sie digitale Mindmaps erstellen können.
     

    Mindmap


    Man kann Mindmaps nicht nur nach Themen, sondern auch anhand von Wortfamilien erstellen – und zum Beispiel alle Variationen der Wortfamilie joy (Freude) sammeln: joyful (freudig), enjoy (genießen), killjoy (Spielverderber), unenjoyable (ungenießbar)... Rolf Koeppel vom Institut für Deutsch als Fremdsprachenphilologie von der Universität Heidelberg erklärt: „Wenn man Wörter so vernetzt, stützen Sie sich gegenseitig. Man vergisst sie weniger leicht, als wenn man sie isoliert lernt, und kann beim Sprechen schneller auf sie zugreifen.“
     

    3. Lernen mit Eselsbrücken: die Schlüsselwortmethode

    Es hilft zwar sehr, neue Wörter mit bereits gelernten Wörtern in der Fremdsprache zu verknüpfen. Das setzt jedoch einen gewissen Wortschatz voraus. Für Anfänger eignen sich daher andere Techniken. Zum Beispiel die Schlüsselwortmethode. Mit ihr verbinden Sie zu lernende Vokabeln nicht mit anderen englischen Worten, sondern mit Ausdrücken aus Ihrer Muttersprache. Jede Vokabel wird mit einem ähnlich klingenden Wort aus der Muttersprache assoziiert und dann über eine bildliche Eselbrücke im Gedächtnis verankert.

    Am besten versteht man das an einem Beispiel: Nehmen Sie das englische Wort desert (Wüste). Im ersten Schritt suchen Sie ein deutsches Wort, das ähnlich klingt. Das ist in diesem Fall natürlich besonders deutlich: Dessert. Nun müssen Sie die Bedeutung der englischen Vokabel mit denen ihrer deutschen Assoziationen verbinden – und zwar möglichst bildlich. Vielleicht kommt Ihnen dabei eine Wüste aus Zitroneneis im Kopf; mit kleinen Schokoladenpalmen, die langsam in der Sonne schmelzen?

    Besonders gut können Sie sich die Verbindung immer dann merken, wenn Sie ein ungewöhnliches oder sehr intensives Bild heraufbeschwören. Absurdität ist Trumpf: Schließlich merken sich die meisten unter uns skurrile Fakten besser als jede PIN-Nummer.

    englisch vokabeln lernen mit bildernDie beste Methode? Ausprobieren!

    Welche von diesen Methoden ist nun die beste für Sie persönlich? Das müssen Sie selbst herausfinden. Viele Wissenschaftler sind sich einig, dass es die ideale Methode zum Vokabellernen nicht gibt. Klaus Hartenstein, Professor für Sprachlehrforschung und Fremdsprachendidaktik in Hamburg, unterstreicht: „Es gibt Menschen, die sich Wörter durch das Aufschreiben gut merken können oder indem sie sich dazu bewegen“. Für andere hingegen sei es albern zum Lernen übertriebene Gesten zu verwenden; für diese eignet sich Vokabellernen durch Bewegung zum Beispiel nicht. Vielleicht entspricht ihnen wiederum die strukturierte Herangehensweise mit Mindmaps.
     

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